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Pressebericht vom 08. Mai 2013 (Quelle: www.aachener-zeitung.de)

3,6 Millionen: Parksünder blechen so viel wie nie

Aachen. Nicht nur Autofahrer dürfen vermuten, dass die Kämmerin auf Parksünder abfährt – natürlich rein metaphorisch und monetär. Zwei Rekorde haben 2012 nämlich mehr Geld denn je in die Aachener Stadtkasse gespült: 285.178 Falschparker zahlten insgesamt 3,612 Millionen Euro.

Das sind fast 250.000 Euro mehr als im Vorjahr und rund 400.000 mehr als 2011. Für 4752 Parksünder hatte die Sache einen weiteren Haken – sie wurden abgeschleppt. Damit wurden 223 Karossen mehr als 2011 zwangsweise abtransportiert, und 957 mehr als 2010 – Höchststand.

Von „Bad Knöllchen“ könne in der Kaiserstadt dennoch keine Rede sein, stellt Ordnungsamtsleiter Detlev Fröhlke am Dienstag auf Anfrage der Aachener Zeitung klar. „Der statistische Vergleich mit ähnlich großen Städten zeigt, dass Aachen bei der Zahl der Knöllchen im Mittelfeld liegt“, sagt er. Einen Spitzenplatz habe Aachen allerdings in Sachen Effizienz erobert. „Im Jahr 2011 kontrollierten 94 Überwachungskräfte den ruhenden Verkehr. Jetzt zählen wir nur noch 81 Stellen“, rechnet er vor. Geringere Personal- und Sachkosten, steigende Fallzahlen, höhere Einnahmen.

Fröhlke führt den Erfolg auf eine Systemumstellung zurück, die deutschlandweit Schlagzeilen machte: Seit zwei Jahren „jagen“ Aachener Politessen per Smartphone Falschparker. Die Online-Übertragung beschleunigte die Verwaltungsarbeit vom Auslesen der Falschparker-Daten bis zur Versendung des Zahlungsbescheides immens. „Gleichzeitig ist die Zahl der Einsprüche von Autofahrern, die ihr Verwarnungsgeld nicht akzeptieren wollen, um 25 Prozent gesunken. Dank der Foto-Dokumentation jedes einzelnen Falls ist die Beweislage viel unproblematischer als früher“, sagt der Ordnungsamtschef. „Auch das spart in der Verwaltung Zeit – und schont das Geld des Steuerzahlers“, fügt Fröhlke hinzu.

Fraglich ist indes, ob die öffentliche Hand 2013 und in kommenden Jahren weiterhin nach mehr Geld der parkenden Blechpiloten greifen kann. Seit April berechnet die Stadt für das kleinste Parkvergehen – ohne Ticket bis 30 Minuten – nicht mehr 5, sondern 10 Euro. „Damit lohnt sich das Pokern nicht mehr“, sagt Fröhlke. Weil Knöllchen doppelt so teuer sind, scheuen offenbar immer mehr Autofahrer das Risiko, „erwischt“ zu werden.

Das führt zu höheren Einnahmen über die Parkscheinautomaten. Von denen gibt es in Aachen aufgrund neuer Anwohnerparkbereiche immer mehr. Hingegen schrumpften innerstädtische Parkzonen am Straßenrand – wie am Büchel und auf der Kleinköln-straße. Ob praller gefüllte Parkautomaten und durchschnittlich höhere Verwarnungsgelder (derzeit im Schnitt 11,66 Euro pro Knöllchen) bei tendenziell weniger Parkvergehen letztlich ein Plus oder Minus im Stadtsäckel verursachen, bleibt abzuwarten. 2011 summierten sich die Erlöse aus den Ticketautomaten auf 2,8 Millionen Euro. Im Jahr 2000 begnügte man sich noch mit 1,7 Millionen.

Damals, also vor 13 Jahren, landeten auch deutlich weniger Autos am Haken: 2902. Nur in den Jahren 2004, 2005 und 2007 kletterte die Abschleppquote deutlich über die 4000er-Marke. Auffällig ist, dass in Aachen wieder erheblich mehr Fahrzeuge kostenpflichtig umgeparkt werden, nachdem das Abschleppunternehmen Peters 2011 den Generalvertrag vom Vorgänger Strang übernommen hat. Zwar sanken die Kosten pro Abschleppvorgang damit von 123 auf 79,73 Euro. Aber die Fallzahlen steigen.

Der Leiter des Ordnungsamtes versichert, dass sich in Sachen Abschleppen nichts an den Regeln geändert habe. „Wer etwa unzulässig auf einem Behindertenparkplatz parkt, wird entfernt. Da bleiben wir rigoros“, sagt Fröhlke.



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